Unseren mildtätigen Verein car4twenty e.V. gibt es offiziell seit dem 9. März 2018.

An diesem Tag wurden wir rechtmäßig in das Vereinsregister in Aachen eingetragen und sind seitdem rechts- und handlungsfähig. Jedoch haben wir im Rahmen unseres ersten Projektes bereits vor Gründung einer jungen Familie in Bamberg geholfen. In diesem Abschlussbericht möchten wir Euch gern detailliert davon berichten, wie dieses Projekt abgelaufen ist, was gut und was nicht so gut gelaufen ist, warum wir das Projekt schließlich im Februar 2018 abbrechen mussten und vor allem, welche Lehren wir daraus gezogen haben. Der Inhalt dieses Artikels ist außerordentlich lesenswert und lehrreich und wir wünschen Euch jetzt schon viel Spaß beim Lesen!

Wichtiger Hinweis in eigener Sache: Dieser Abschlußbericht ist chronologisch aufgebaut und wird exakt anhand der geführten E-Mails, Facebook-Messenger- und What’s-App-Kommunikationen nacherzählt.

Der erste Kontakt mit der Familie!

Nach unserem Gründungstreffen am 5. August 2017 wollten wir schnell helfen und suchten auf den angesagten Social Media Kanälen intensiv nach einer ersten Familie, die wir mit einem kostenfreien Auto unterstützen konnten. Die regelmäßigen Posts in diversen einschlägigen Facebook-Gruppen zeigten nach nur 4 Wochen ihre Wirkung. Die junge Felicia D. aus Bamberg schrieb uns eine Mail und schilderte uns ihre Situation.

Felicia, 22, und ihr Verlobter, 23, sowie der eineinhalbjährige Sohn steckten schon seit geraumer Zeit fest. Wie auf einer Achterbahn ging es in ihrem Leben rauf und runter. Gab es gute Nachrichten oder Jobaussichten, wussten sie direkt, dass es nicht lange hält und alles wieder von vorn losgeht.

Für eine gewisse Zeit arbeitete Felicia in Teilzeit im Verkauf, bekam dann kurzfristig eine feste Ausbildungsstelle und freute sich riesig, dass sie nun eine neue Perspektive mit regelmäßigen Einnahmen und eine Aussicht auf eine längerfristige Beschäftigung hatte. Doch kurz nach Ausbildungsbeginn hatte ihr Verlobter mit Panikattacken zu kämpfen und kam in eine stationäre Therapie. Nun stand Felicia mit Kleinkind, Vollzeitausbildung und Haushalt allein da. Ohne eigenes Auto war sie auf den ÖPNV angewiesen und musste morgens und abends 90 Minuten zur Arbeit und wieder nach Hause fahren, verlorene Zeit, die sie lieber mit ihrem Kind und ihrem kranken Verlobten verbracht hätte.

Anfangs versuchte sie noch, alles unter einen Hut zu bringen, jedoch war sie bald mit ihren Kräften am Ende und brach kurz hintereinander mehrmals auf der Arbeit zusammen. Ihr Arbeitgeber reagierte prompt: er schlug Felicia vor, den Ausbidlungsvertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen und sich dann noch einmal zusammenzusetzen, wenn die private Situation sich gebessert hätte. Nun war die junge Familie wieder vom Jobcenter abhängig.

Felicia schrieb uns, dass ihnen ein Auto enorme Erleichterung in vielerlei Hinsicht verschaffen würde. Mit einem fahrbaren Untersatz  würde ihr Verlobter wohl schnell einen Job bekommen, der Monatseinkauf im günstigen Großmarkt am Stadtrand wäre auch kein Problem mehr und schließlich würden sie endlich mal aus Bamberg herauskommen und könnten mit ihrem Sohn den einen oder anderen Freizeitpark oder Zoo besuchen. Schließlich war noch die schimmelige 3-Zimmerwohnung im heruntergekommenden Stadtteil in Bamberg ein riesiger Problempunkt, vorrangig natürlich wegen der Gesundheitsgefährdung des Kindes. Ohne Auto war jedoch an eine billigere, jedoch größere Wohnung außerhalb der Stadt nicht zu denken.

Vom Geld des Jobcenters ein eigenes Auto kaufen? Das war nicht möglich, denn das monatliche Geld deckte gerade eben die Ausgaben. Zudem waren sie auf sich gestellt, da der jeweilige Kontakt zu den eigenen Eltern und Verwandten schlecht bzw. schon vor geraumer Zeit abgebrochen war.

Als wir im Team diese Situationsbeschreibung lasen, war uns sofort klar, dass wir Felicia und ihrer kleinen Familie helfen wollten. Dafür hatten wir uns bereits wochenlang über car4twenty den Kopf zerbrochen, aus diesem Grund brannte in uns allen das innere Feuer und die feste Überzeugung, dass wir Vieles bewegen konnten. Die Frage war nur: Wie?

Der Verein war zwar gegründet, jedoch juristisch noch nicht eingetragen. Vor Eintragung kein Bankkonto und ohne Bankkonto kein Geldeingang durch Mitgliedsbeiträge. Irgendetwas Grandioses musste uns einfallen.

car4twenty sagt Hilfe zu!

Nachdem wir 2 Tage sehr intensiv im Team diskutiert und eine positive Entscheidung getroffen hatten, schrieben wir Felicia am 31. August 2017 zurück und sagten ihr uneingeschränkte Hilfe zu. Rein vorsorglich informierten wir Felicia über eine Abwicklungszeit von 6 bis 8 Wochen, also bis Ende Oktober 2017, da wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, wie schnell unser gewähltes Notariat die Gründung und Eintragung unseres Vereins vorantreiben konnte.

In vielen Teambesprechungen hatten wir im Gründungsteam schon entschieden, zukünftig für jeden neuen Bedarfsfall ein individuelles Zukunftspaket zu schnüren, einfach aus der Erkenntnis daraus, dass unsere uneigennützige Mobilitätshilfe vermutlich komplett versandet, wenn wir nicht auch gleichzeitig Hilfe in anderen Lebensbereichen wie Jobsuche, Wohnungswechsel oder Finanzplanung anbieten würden – so entstand unsere einzigartige Philosophie, bedürftigen Personen oder Familien so lange Wind unter die Flügel zu geben, bis ihnen ein Alleinflug wieder möglich war.

Für Felicia und ihre kleine Familie sah unser Zukunftspaket wie folgt aus:

  1. Wir wollten ihnen einen günstigen Kombi für einen Zeitraum von 12 Monaten zur Verfügung stellen. Das Auto sollte unser Eigentum bzw. auf uns zugelassen bleiben, sodass wir die laufenden Kosten wie Versicherung, Steuern und größere Reparaturen übernehmen konnten und Felicia von den Nachfolgekosten eines Autos entlastet wird. Felicia und ihr Verlobter brauchten nur tanken und sich ansonsten nur darauf konzentrieren, dass es ihnen bald wieder besser geht.
  2. Zudem sagten wir weitere aktive Begleitung der Familie nach Autoübergabe zu. Das beinhaltete, regelmäßig nach ihnen zu schauen, nachzufragen, wo es aktuelle Probleme gibt, bei denen wir eventuell helfen können, natürlich aus purer Freude über jeden Schritt, die die Familie in den kommenden Monaten nach vorn machen würde.
  3. Unser Zukunftspaket beinhaltete ebenso die aktive Suche nach einer passenderen Wohnung, am besten ohne Schimmel. Im Fokus stand eine günstige Gartenwohnung außerhalb der Stadt.
  4. Schließlich komplettierten wir unser Angebot mit Hilfe bei der Arbeitssuche, damit sie und ihr Verlobter evtl. zeitnah dem Jobcenter „Lebewohl“ sagen konnten. Mit unserem Auto könnte ihr Verlobter nun eine Vollzeitstelle antreten und sie hätte ihre Ausbildungsstelle fortsetzen können, sobald ihr Sohn halbtags in der KiTa betreut würde.

Nach der Präsentation unseres Zukunftspaketes schlugen wir als nächsten Schritt eine Homestory in Bamberg vor. Unsere Community sollte erfahren, welchen harten Kampf Felicia jeden Tag führte, dass sie trotzdem nicht aufgab und die kleine Familie zusammenhielt und damit auch andere jungen Familien zu sensibilisieren und ihnen das Vertrauen zurückzugeben, dass man sich zwar bewegen muss, es jedoch noch viel wichtiger ist, wieder darauf vertrauen zu können, dass Hilfe kommt wenn man um Hilfe bittet. In dieser Mail baten wir noch um Erlaubnis, die Homestory als YT-Video für unsere Community online zu stellen.

Felicia antwortete 2 Tage später. Sie freute sich zwar über unsere Hilfezusage, bat uns jedoch darum, im Hintergrund bleiben zu können. Sie hatte einfach große Bedenken, weil es in unserer Gesellschaft nicht so einfach ist, in einer Hilfeposition seine wahre Identität, Gesicht und Namen öffentlich zu zeigen. Das haben wir selbstverständlich akzeptiert.

Wir sind zum ersten Mal verwundert und irritiert!

Wir schreiben also den 1. September 2017.

Wir hatten Felicia D. aus Bamberg gerade gemailt, dass wir ihr und ihrer kleinen Familie helfen wollen und schrieben auch sehr dezidiert, wie unsere Hilfe im Detail aussieht bzw. aussehen könnte. Als nächsten logischen Schritt wollten wir ein Homestory-Video drehen, um unsere Social-Media-Follower stärker in unsere Vereinsarbeit einzubinden. Diesen Schritt wollte Felicia nicht unterstützen, da sie nicht vor eine Kamera wollte. Als vorläufige Projektabwicklungszeit waren 8 Wochen veranschlagt, da wir zu diesem Zeitpunkt mitten im Gründungsprozess steckten und diverse Korrespondenzen mit unserem Notariat beantworten mussten.

Just in diesem Zeitraum fiel die Heirat unseres Vorstandsvorsitzenden Hajo am 14.09.2018. Weil es zu diesem Zeitpunkt fast täglich etwas für car4twenty zu tun gab, nahm er sich gerade mal eine Woche Urlaub, um wichtige Gründungsprozesse nicht unnötig zu verlangsamen; Flitterwochen waren auf unbestimmte Zeit verschoben.

Am 19.09.2018, es waren kaum 3 Wochen seit unserer Hilfezusage vergangen, sendete uns Felicia D. über den Facebook-Messenger die folgende Nachricht:  „Hallo Hajo, ich wollte mich mal kurz melden und nachfragen wie es denn nun weiter geht? Habt ihr schon was ausgetüftelt? Können wir irgendwie unterstützen? Unsere Situation momentan setzt mir persönlich ziemlich zu, sowohl psychisch als auch körperlich geht es mir immer schlechter und die Ärzte tappen im Dunkeln, funktioniere eigentlich nur noch, als Mama bleibt einem ja nichts anderes übrig.  Ich hoffe du hast ein paar positive Neuigkeiten für uns. Liebe Grüße, Felicia.“

Wir antworteten einen Tag später per Mail, bestätigten noch einmal, dass wir das klare Ziel haben, so schnell wie möglich in Bamberg zu helfen. Allerdings baten wir Felicia auch nachvollziehbar um Verständnis: ein junger, in Gründung befindlicher Verein mit 10 Mitgliedern und damit 200 Euro Monatseinnahmen konnte realistischerweise kein Erstprojekt in einer Größenordnung von 1.500 bis 2.000 Euro stemmen. Durch einen glücklichen Zufall bekamen wir jedoch zu dieser Zeit unser erstes Auto geschenkt: einen Opel Calibra aus 1995. Zunächst überlegten wir noch im Team, den Calibra technisch herzurichten und ihn dann gut zu verkaufen, sodass wir dann das Startkapital für den Bamberg-Kombi hätten, doch diesen Denkansatz verwarfen wir sehr schnell wieder. Wir kamen nämlich schnell zu der Erkenntnis, dass wir unser magmarotes Sportcoupé viel besser in unserem strategischen Marketing einsetzen könnten und beschlossen, den Wagen auf Dauer zu behalten. Auf unsere Verständnismail bekamen wir keine Antwort.

Am 3. Oktober 2018, von den angesetzten 8 Wochen Projektabwicklung waren gerade einmal die Hälfte vergangen, bekamen wir aus Bamberg die Mitteilung, dass Felicias Verlobter ab Ende Oktober einen guten bezahlten Job in Aussicht hatte, vorausgesetzt er hätte ein Auto. Nun waren wir zum ersten Mal irritiert und verwundert. 14 Tage zuvor setzte sie uns unter Druck, weil es ihr psychisch nicht so gut ging und nun verwendete sie unsere uneigennützige Hilfezusage gegen uns und legte sie uns als „Schlinge“ um den Hals.

Einige Tage später, wir schrieben ca. Mitte Oktober 2017, wurde Hajo von einem klassischen Burn-Out erwischt. Die Doppelbelastung – anstrengender Hauptjob plus Vereinsgründung – die nun schon über viele Woche anhielt, forderte ihren hohen Preis und schlug voll bei Hajo ein. In einem entsprechenden Video sagte er, dass er die Notbremse ziehen müsse, bevor ihm auch noch die restliche Energie  abhanden kommt. Er schloss alle Kommunikationskanäle, übergab an das junge Team und tankte erst mal wieder auf.

Natürlich blieb das Auszeit-Video in Bamberg nicht unbemerkt und so kam erneute Nachricht: „…natürlich mache ich mir jetzt auch meine Gedanken, an wen ich mich bezüglich Fragen wenden kann? …  Wie geht es für uns weiter? Benny hat den Arbeitsvertrag heute unterschrieben, ab dem 13.11. – vielleicht sogar schon früher – kann er das Arbeiten wieder anfangen. Bis dahin hoffen wir, klappt das mit dem Auto … Würde mich freuen wenn du noch eine kurze Rückmeldung geben könntest und dich dann 2-3 Wochen zurück ziehst. …Liebe Grüße, Felicia.“

Bis heute rätseln wir, warum ihr Verlobter einen Arbeitsvertrag unterschrieb, bei dem ein Auto unbedingte Voraussetzung war, ohne bei Unterzeichnung zu wissen, wann ein Auto kommt, welches Auto kommt und wie die genauen Überlassungskonditionen sind?

Mittlerweile – wissend, wie sich das Projekt schlussendlich entwickelt hat – gehen wir davon aus, dass speziell Felizia aus unserer freiwilligen Hilfe ein unbedingtes Recht abgeleitete, etwas, was wir ihnen als Verein offenbar schuldeten, etwas sogar, was sie eventuell juristisch einklagen könnte. Ein Scheitern, ein Verzögern, evtl. auftretende Probleme in der Gründungsphase – diese Eventualitäten waren für Felizia inakzeptabel. Sie hatte ihren Verlobten den Arbeitsvertrag unterschreiben lassen, damit die „Schlinge“ um unseren Hals fest zugezogen und nun hatten wir gefälligst das Auto zu liefern. Wie wir das bewerkstelligen, wie wir das finanzieren, wie wir das organisieren – dafür interessierte sie sich nicht.

Das war auch Hajo klar und so brach er seine „Zwangspause“ vorzeitig ab, meldete sich in Bamberg zurück und kaufte am 3.11.2017, für 890 Euro von seinem Privatgeld einen VW Passat, um ihn eine Woche später an die Familie in Bamberg zu übergeben. Damit Felizia endlich Ruhe gab. Und natürlich auch, damit gegenüber der Social-Media-Community Fakten geschaffen wurden und dem jungen Verein ein gewisses Anfangsmomentum zu verschaffen.

3 Tage Hardcore: Auto kaufen, Auto aufbereiten und Auto übergeben.

Ende Oktober 2017 hatten wir ein YT-Video hochgeladen, in dem wir unsere Community informierten, dass wir unsere ersten beiden Familien gefunden hatten und nun einen passenden Kombi suchten. Ein paar Tage später meldete sich Lars bei uns. Einige Wochen zuvor hatte Lars uns einen magmaroten Opel Calibra geschenkt und nun engagierte er sich erneut und informierte uns über ein Auto, das im bayrischen Kirchenlamitz stand.

Es handelte sich um einen VW Passat Kombi aus dem Jahr 1999 mit 230.000 Kilometern Laufleistung, technisch im Groben und Ganzen okay und mit einem Jahr Rest-TÜV ausgestattet. Positiv war, dass der Passat mit dem unproblematischen 1.8-Liter Fünfventil-Motor ausgestattet war, der bei guter Pflege Laufleistungen von weit über 300.000 Kilometern erreicht. Einziges Manko war ein Riss in der Windschutzscheibe, die auf jeden Fall zeitnah ausgetauscht werden musste. Lars stellte den Kontakt zur Verkäuferfamilie her und so wurde man sich bei 890 Euro schnell handelseinig. Am 7. November 2017 überwies Hajo das Geld und bat die Verkäuferin, ihm schnellstmöglich die Fahrzeugpapiere und den TÜV-Bericht zu schicken, sodass er den Passat mit einem Kurzzeitkennzeichen von Kirchenlamitz nach Bamberg bewegen konnte.

Das Geld war schnell in Bayern, ebenso schnell waren die Fahrzeugpapiere in Baesweiler. Freitagmorgen, den 10. November 2017, kurz vor 9 Uhr hatte Hajo die Kurzzeitkennzeichen in der Hand, fuhr noch kurz nach Hause und machte sich dann mit Ute auf den Weg zum Passat. Die 555 Kilometer führten sie vorbei an Köln und Frankfurt, weiter nach Würzburg und Schweinfurt, an Bamberg vorbei und dann nördlich von Bayreuth auf die A 9 in Richtung Leipzig. Nach 7 anstrengenden Stunden Autofahrt – es gab einige Staus auf der Strecke und es regnete ununterbrochen – war kurz nach 17 Uhr der Garagenhof in der kleinen Ortschaft kurz vor der tschechischen Grenze erreicht.

Rückblickend betrachtet waren es nicht die besten Bedingungen, unter denen wir unser erstes Projektauto gekauft haben. Geld für ein Auto zu überweisen, das man nie zuvor gesehen oder gefahren hat, dessen genauen Zustand man nicht kennt, von dem man nicht wusste, ob es Reparaturstau hatte und wie regelmäßig es gewartet wurde – das alles kann ein sehr großes Risiko sein und sogar zum Totalverlust führen. Überhaupt ist es nie eine gute Idee, Entscheidungen unter Druck zu treffen.

Andererseits stand der Verlust eines noch viel höheren Zieles auf dem Spiel: wir hatten einer Familie uneingeschränkte Mobilitätshilfe zugesagt und die 8 Wochen, die wir uns für die Projektabwicklung reserviert hatten, waren nun abgelaufen. Nun stand der Totalverlust unseres noch reinen Images und unsere Glaubwürdigkeit gegenüber unserer Fangemeinde auf dem Spiel. Das gesamte c4t-Team und besonders Hajo war unter keinen denkbaren Umständen bereit, für relative geringe 890 Euro das bereits Erreichte aufs Spiel zu setzen, wofür wir Monate zuvor hart gearbeitet hatten. Deshalb zogen Hajo und Ute an diesem Wochenende voll durch und bekamen durch uns als Team volle Rückendeckung.

Jeder weiß, dass es im November um 17 Uhr bereits dämmert, also war der Passat nun schnell von außen zu besichtigen und die Probefahrt anzugehen. Der Lack war nass vom Regen, an eine genaue Überprüfung des äußeren Zustandes war nicht zu denken. Also Probefahrt. Das bereits 2 Wochen stehende Auto sprang beim ersten Schlüsseldreh sofort an. Raus aus dem Garagenhof und ab auf die Straße. Licht funktionierte, elektrische Fensterheber liefen rauf und runter, Bordcomputer hatte keine Pixelfehler und zeigte alles an, was er anzeigen sollte. Das Radio war ausgebaut, also keine Musik und in der Mittelkonsole war ein Soffite-Lämpchen kaputt. Hajo schaltete alle Gänge hoch – Befund in Ordnung. Hartes Bremsen auf gerader Landstraße – der Wagen blieb in der Spur. Anfahren im dritten Gang bei angezogener Handbremse um den Zustand der Kupplung zu prüfen – der Wagen würgte ordnungsgemäß ab. Lenkrad stand gerade, kein Zittern, keine Unwucht, keine besonderen Geräusche. Sonstige Meldungen? Keine! Ein grundsolider Wagen, dem einfach ein wenig Liebe fehlte. Und natürlich eine neue Windschutzscheibe.

Als Hajo von der Probefahrt zurückkehrte, hatte Ute schon die Werbetrommel für unseren Verein gerührt. Die Verkäuferfamilie freute sich, dass ihr Passat nun einer jungen Familie helfen würde, wieder auf die Füße zu kommen. Der Papierkram war schnell erledigt und so ging es dann zum Übernachtungshotel in Richtung Süden. Die 135 Kilometer nach Ramspau nördlich von Regensburg spulte der Passat ohne Probleme ab. Hajo gab die Geschwindigkeit vor, Ute folgte im privaten Astra. Kurz vor 20 Uhr war die gebuchte Ferienwohnung erreicht. Nach einem anstrengenden Tag und fast 700 abgespulten Kilometern fielen Ute und Hajo todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 8 Uhr. Hajo hatte ein paar Tage zuvor mit Johannes Rist von RJ Cleaning im nahen Schmidmühlen gesprochen und einen ganztägigen Beauty-Tag für den Passat bei ihm vereinbart (wer in und um Nürnberg bzw. Regensburg wohnt, der muss sein Auto unbedingt mal bei Johannes aufbereiten lassen. Seine am Haus umgebaute Garage mit eingebauter Hebebühne erinnert schwer an Tim Taylor’s Tooltime bzw. „Hör mal wer da hämmert“). Nach einer eisigen Nacht sprang der Passat wieder auf Kommando an. Kurz eine „Brezn“ und einen Kaffee bei einem dörflichen Bäcker eingeschoben, dann weiter zu Johannes nach Schmidmühlen. Die Tachoanzeige im neuen Leben des Passat stand nun bei 165 Kilometern.

Johannes stand am vereinbarten Treffpunkt (seine persönliche Haus-Waschanlage) schon bereit. Vermutlich seit längerer Zeit sah unser Passat mal wieder shampooniertes Wasser und passende Bürsten. Frisch gereinigt ging es dann in die Wundergarage von Johannes, die trotz der kalten Außentemperaturen bereits angenehm vorgeheizt war. Dort wartete schon Maximilian, der sich für den „guten Zweck“ ebenfalls den ganzen Tag reserviert hatte, ansonsten Johannes regelmäßig bei den Aufbereitungen hilft. Später kam noch Philipp dazu, der den letzten Schliff an die Technik legte und für ein Autoradio sorgte. So ging es dann los.

Von allen Seiten wurde der Passat geknetet, poliert, gesäubert, tiefengereinigt und nassgesaugt und so wurde nach unglaublichen 25 Mannstunden aus dem hässlichen Entlein wieder ein vorzeigbarer stolzer Enterich. Stolz wie Bolle drehten wir unseren ersten Carporn und luden ihn direkt bei Youtube hoch (Vorher-Nachher-Bilder findet Ihr unter dieser Teilsektion). An dieser Stelle dürfen wir Johannes und seinen netten Eltern als auch Maximilian und Philipp noch einmal für ihren unermüdlichen Reinigungseinsatz an diesem denkwürdigen Samstag danken.

Gern wären sie noch geblieben, doch Ute und Hajo mussten am selben Abend noch nach Bamberg. Dort war der Landgasthof Heerlein für die Übernachtung gebucht. Weitere 144 Kilometer waren abzuspulen und auf dem Weg dorthin bekam der Passat eine allerfeinste Vollbetankung. Anstrengend war nur, dass man nun den zweiten Abend im Dunkeln Kolonne fahren musste, zudem auf unbekannten Straßen und mit einem noch unbekannten Auto. Der Gasthof in Bamberg wurde vom Handy einwandfrei gefunden. Kurz noch eine Kleinigkeit essen und dann wieder früh ins Bett. Die beiden Tage auf der Autobahn und bei der Aufbereitung hatten Kraft gekostet und ihre Spuren hinterlassen.

Dritter Tag! Sonntag, der 11. November 2017, 9 Uhr morgens. Hajo steht vor dem frisch polierten Passat und dreht mit Ute das Intro für das dritte Video, dass die beiden an diesem Wochenende aufgenommen hatten. Freitag das Video mit der Ankündigung, dass man sich auf dem Weg zum ersten Projektauto befindet. Samstag in Schmidmühlen viel Video- und Fotomaterial von der Aufbereitung – ganz nach dem Geschmack von Hajo, das YouTube-Gesicht unseres Vereins.

Doch irgendwie fühlt sich etwas nicht ganz richtig an. Irgendetwas stört und macht Hajo innerlich unruhig. Die beiden übergeben in ein paar Minuten einen knappen Tausender Sachwert an eine Familie, die sie noch nicht persönlich kennen. Sie wollen auch nicht vor die Kamera und ihre Geschichte erzählen. Hajo ahnt schon, dass das die Community nicht gutheißen wird. Dann das Auto: es läuft zwar einwandfrei, ist aber technisch noch nicht im Einzelnen durchgeprüft. Eine Sichtprüfung von unten hat auch noch nicht stattgefunden.

Geht der bisherige Projektablauf für car4twenty in die richtige Richtung? Alle diese Unbekannten – schließlich ist car4twenty unser erster Verein und der Passat unser erstes Projekt – machen dünnhäutig. Nun darf nichts mehr schiefgehen. Mit dem Gedanken „Und selbst wenn, wir lernen jetzt einfach dazu und machen es beim nächsten Projekt besser!“ machen Ute und Hajo sich auf den Weg zur Familie.

 

Wir übergeben den Passat & Projektentwicklung in den ersten 3 Monaten

Als Hajo und Ute an diesem Sonntagmorgen des 12. November 2017 in Bamberg in die Wohnstraße einbogen, stand die dreiköpfige Familie bereits am Straßenrand. Es folgte eine herzliche Begrüßung, dann zeigte Hajo Benny das Auto. Probefahrt? Später! Man hatte Kaffee gekocht und beschloss erst einmal, in die Wohnung zu gehen. Die Familie wohnte auf ca. 55 qm; es gab ein Kinderzimmer, ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit eingelassener Kochnische. 1 Stunde lang sprach man miteinander, machte sich bekannt, bekam auch einen Einblick in die familiäre Situation und natürlich auch die enormen Lebenserleichterungen, die mit unserem Auto nun möglich würden. Die Fahrten zum Kinderarzt würden nun von einer Stunde Busfahrt auf 10 Autofahrt sinken. Der Monatseinkauf konnte nun im günstigen Großmarkt am Stadtrand erledigt werden. Sicher war nun auch der Umzug in einer größere, billigere Wohnung in einer angenehmeren Wohngegend möglich. Ute und Hajo hatten einen guten Eindruck von der jungen Familie. Auch Felicias Lebensansichten stimmten positiv. Sie wollte sobald wie möglich ihre abgebrochene Ausbildung fortsetzen, nachdem sich die berufliche Situation ihres Verlobten einigermaßen eingespielt hatte. Das waren klare Ziele und wir freuten uns, dass wir helfen und beisteuern konnten.

Natürlich wollten wir den zukünftigen Arbeitsweg kennenlernen und verbanden das mit einer kleinen Probefahrt. Hajo und Benny saßen vorn, die beiden Frauen auf der Rückbank. Wir verließen das Wohngebiet, fuhren auf die Umgehungsstraße und stahen nach ca. 15 Minuten vor dem Firmengebäude von Bennys neuem Arbeitgeber. Unfassbar, dass die gleiche Strecke mit dem ÖPNV und 3 Umsteigen über eine Stunde dauert.

Bei der Verabschiedung fragten wir noch einmal höflich, ob man vielleicht ein paar Worte des Dankes an die Community richten möchte, doch Felicia blieb strikt: kein Foto, kein Video! Kurz nach 12 Uhr brachen Ute und Hajo wieder in Richtung Heimat auf. Sehr lange noch sprachen sie über die anstrengenden 3 Tage und dass sich car4twenty zukünftig einfach mehr Zeit für die Projektabwicklung lassen sollte, um potentielle Fehlerquellen von Anfang an auszuschließen. Kurz vor Nürnberg drehten sie das Abschlußvideo.

Kaum 24 Stunden nach Übergabe holte uns jedoch der erste Fehler ein: wir hatten das Auto mit Kurzzeitkennzeichen übergeben, dessen Gültigkeit zur Wochenmitte ablief. So kam aus Bamberg direkt die Beschwerde, dass man es sehr komisch finden würde, jeden Morgen an einem Auto vorbeizulaufen, dass man nicht nutzen konnte und forderte von uns eine schnelle Lösung (Zitat 13.11.2018, 21:37 Uhr: „Hallo Hajo, kannst Du uns sagen, wann es mit den richtigen Schildern klappt?“). Hajo antwortete, dass er mit Hochdruck an der Gründung arbeitet, dass es aber Bearbeitungszeiten gab, die er nicht beeinflussen konnte. 48 Stunden später wollte Felicia wissen, wie lange es noch ungefähr brauchen würde, bis die Vereinseintragung durch ist und die richtigen Nummernschilder kämen!? Ob es Tage oder Wochen wären? Hajo ging von 14 Tagen aus. „Oh je“, hörten wir aus Bamberg, „dann wird es ja Anfang Dezember und ist ja doch ganz schön lang!“

Wirklich? Da lebt man jahrelang ohne Auto und hat sich irgendwie arrangiert, nun steht ein kostenfreies Auto vor der Tür und weitere 14 Tage sind inakzeptabel? Am 15.11.2017, 16:12 Uhr, bestätigte Hajo nach Bamberg: „Wir denken uns etwas aus, wir finden eine Lösung!“ Diese Antwort war offenbar nicht zufriedenstellend, denn es wurde weiter nachgebohrt. Am späten Abend kam die erneute Frage, was es denn für Möglichkeiten gäbe!? Felicia schlug vor, den Wagen vorerst auf sich anzumelden, doch das wäre ihnen finanziell nicht möglich!

Felicias Vorschlag war selbstredend indiskutabel, denn das hätte bedeutet, den Fahrzeugbrief aus der Hand zu geben und nach Bamberg zu schicken. Damit hätte Hajo bzw. der Verein das Eigentum am Auto verloren. Hajo überlegte mittlerweile konstruktiv, das Auto zunächst auf sich anzumelden und Schilder und Fahrzeugschein dann nach Bamberg zu schicken. Antwort von Felicia: „Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit und würde auch schneller gehen!“                                                                                                         Hajo und Ute waren geschockt von dieser Antwort. Passierte das gerade wirklich? Trieb die erst 23-jährige Felicia zwei gestandene Erwachsene, doppelt so alt und mit doppelter Lebenserfahrung, gerade wie die sprichwörtlichen Säue durchs Dorf? Wedelte der Schwanz nun plötzlich mit dem Hund?

Keine 4 Stunden später wurde Hajo mitten in der Nacht (arbeitende Menschen schlafen zu dieser Uhrzeit) von der nächsten Unverschämtheit aus dem Schlaf gerissen. Am frühen Morgen des 16.11.2017 um 01:29 Uhr schrieb Felicia D. aus Bamberg:         „Hallo Hajo, Benny und ich haben mal das Internet durchgeguckt, wie es am einfachsten ist. Letztendlich ist Deine Überlegung, es auf dich als Person anzumelden wohl die beste Lösung. Laut Google geht es wohl sogar noch am selben Tag, also ist diese Woche noch zu schaffen. Inwieweit es stimmt, weiß ich nicht, da ich mich damit leider gar nicht auskenne. Wäre aber die optimale Lösung, wie wir finden“.

Hatte Felicia auch nur im Ansatz darüber nachgedacht, dass Hajo tagsüber einen verantwortungsvollen Vollzeitjob hatte und nicht einfach sofort sprang oder springen konnte, wenn aus Bamberg das Kommando kam?

Was ist das nur für eine Generation, die da gerade auf uns zurollt? Was sind das für liederliche Tyrannen und Tyranninnen, die da demnächst in unseren Unternehmen arbeiten werden, sie zu allem Übel eventuell auch noch leiten, die unsere Politik beeinflussen und die natürlich auch ihre Kinder mit dieser rotze-frechen, maßlosen Attitüde erziehen? Wir können faktisch festhalten, dass nunmehr die vierte unerzogene Generation in Folge die Bühne der Erwachsenen betritt, die nie eine anständige Erziehung genossen haben, die nie ein „Nein“ gehört und demzufolge eine Null-Frusttoleranz entwickelt haben. Sie nehmen sich ohne Maß und Ziel – jedoch gleichzeitig ohne vernünftige Zielorientierung – was ihnen und wie es ihnen gerade passt, ohne Stil, ohne Anstand, ohne vernünftige Prinzipien, ohne die geringste Gedankenverschwendung an die Gefühle oder Vorstellungen ihrer Mitmenschen, ganz zu schweigen an nachfolgende Generationen, und wundern sich dann, wenn sie Gegenfeuer von denen bekommen, die die alten Werte und gesellschaftlichen Konventionen noch kennen und noch nicht müde geworden sind, diese letzten gesunden Bastionen einer Zivilisation noch leidenschaftlich zu verteidigen. Zu unserem größten Bedauern müssen wir nämlich feststellen, dass die meisten „guten Erwachsenen“ inzwischen aufgegeben haben, gleichgültig geworden sind, sich nur noch auf sich konzentrieren (weil es ja alle anderen auch machen) und dieser riesigen Zahl von unanständigen weiblichen und männlichen Despoten einfach kampflos das Feld überlassen. Die traurige Wahrheit: wir haben schon längst den Untergang des Abendlandes eingeläutet und wenn es sich weiterhin in diese Richtung entwickelt, dann möchten wir Älteren lieber nie ins Krankenhaus kommen, allein schon aus Angst, dass so eine unerzogene Rotznase daherkommt und die lebenserhaltene Maschine aussteckt, um ihr oder sein Handy zu laden.

Ob sie etwas Falsches geschrieben hätte, fragte sie tags darauf, weil Hajo auf den nächtlichen Post keine passenden Worte fand.   Hajo wollte jedoch nur noch Ruhe in das Projekt bekommen und hatte kurzerhand entschieden, den Passat am Samstagmorgen,  18.11.2018 auf sich zuzulassen und die Schilder noch am gleichen Tag nach Bamberg zu schicken. „Gott sei Dank“, antwortete man sichtlich erleichtert aus Bamberg, „dann müssen wir die beiden vereinbarten Wohnungsbesichtigungen außerhalb von Bamberg nicht absagen und Benny kann seine Arbeit antreten!“                                                                                                                                  Erneut hatte der Bamberger Schwanz mit dem ganzen car4twenty-Hund gewedelt.

Weiterhin funktioniert der Zigarettenanzünder nicht, sodass keine Sitzwärmematte angeschlossen werden kann. Offenbar hat sich auch der Riss in der Windschutzscheibe vergrößert. Dadurch beschlägt die Scheibe von Ihnen und man muss auf Umluft schalten. Bei Umluftschaltung stinkt das Auto nach Abgas. Außerdem lässt sich die Heckklappe nicht öffnen und die Zentralverriegelung spinnt: mal öffnet sie die Türen mal nicht.